Grundkurs Christentum (4): beten

Telephone3Unser viertes Stichwort schließt inhaltlich an die ersten drei Impulse an. Es ist: BETEN. Beten heißt, mit Gott sprechen; oder, etwas eleganter formuliert: mit Gott kommunizieren. Die Christen sind überzeugt, dass es möglich ist, mit Gott zu kommunizieren. Einfach dadurch, dass ich Gott in meinem Inneren anspreche.

Wenn ich das, was mich beschäftigt, nicht nur in mir selbst bewege – darüber nachdenke, grüble, mit mir zu Rate gehe – sondern an Gott adressiere, wird aus der Selbstreflexion ein Gebet. Ich sage dann innerlich etwa: Kannst Du mir sagen, was ich tun soll? Oder: Was ist denn Dein Wille in dieser Situation? Oder: Weißt Du einen Weg für mich? Kannst Du mir den nächsten Schritt zeigen?

Die Menschen, die mit Jesus unterwegs waren – man nennt sie auch „Jüngerinnen und Jünger“ – haben Jesus einmal gefragt, wie man denn beten soll. Jesus schlägt ihnen eine bestimmte Form vor. Die meisten Christen können den Vorschlag Jesu auswendig: es ist das sogenannte „Vaterunser“. Revolutionär an diesem Gebet ist die Anrede. Die kommt in der Übersetzung „Vater unser“ nicht mehr recht heraus. Jesus sagt eigentlich: sprecht Gott mit „Papa“ an. „Mama“ würde auch gehen, weil Gott ist ja keine Person mit einem menschlichen Geschlecht. Jesus will darauf hinaus, dass ich mich Gott ganz vertrauensvoll zuwenden kann. Ganz liebevoll. Ohne Angst und ohne Scham.

In der sozialen Arbeit gibt es viele Möglichkeiten zu beten. Dazu braucht es keine großen Formeln oder Aktionen. Einfach Gott im Innern ansprechen, begleitend zu dem, was ich gerade tue. In der Beratung, in der Pflege, bei meinen Führungsaufgaben, in der Verwaltung oder wo auch immer. Gott gewissermaßen mit einzubeziehen, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Und dann warten, was passiert. Darauf hören und danach spüren, was er mir mitteilen und mitgeben will.

 

Fragen

  • Wie erscheint Ihnen die Vorstellung, sich innerlich an jemand – an eine nicht menschliche Person – zu wenden?
  • Hatten Sie schon einmal das Gefühl, in einer Situation nicht alleine zu sein, obwohl kein anderer Mensch (oder ein anderes Lebewesen) anwesend war?

 

Advertisements

Grundkurs Christentum (3): Gnade

P1030702-CUnser dritte Stichwort heißt: GNADE. Man muss sich vielleicht etwas herantasten, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Im Lateinischen heißt das Wort: gratia: Dank. Gnade meint etwas, das Grund zur Dankbarkeit ist. Wenn wir sagen, dass etwas eine „Gnade“ ist, dann heißt das: Ich habe es nicht eigentlich „gemacht“ oder „verdient“, sondern es ist mir in irgendeiner Weise geschenkt worden. Das kann ein Talent sein zum Beispiel. So sprechen wir von einem „begnadeten“ Redner oder einer begnadeten Pianistin. Sicher, die haben ihren Teil dazu beigetragen: durch Ausbildung, Übung, Mühe. Aber irgendetwas ist dazugekommen, was sie selbst nicht hatten. Oder ein anderes Beispiel: begnadigen. Wenn einer begnadigt wird, dann wird ihm eine Strafe erlassen, die er eigentlich „verdient“ hätte. Er muss nicht voll bezahlen für das, was er getan hat. Er bekommt Freiheit – neue Freiheit – geschenkt. Oder, negativ: gnadenlos. Gnadenlos ist ein Verhalten, das keine Geschenke kennt. Das seine Macht ausschöpft bis zum Ende, oder mich in meiner Not belässt ohne Hilfe.

Theologisch meint Gnade all das, was Gott zu einem guten, gelingenden Leben dazu gibt. Nicht weil er irgendwie „muss“ oder als Gegenleistung für irgendetwas. Sondern einfach so, als Geschenk. Oder noch gefühlvoller: aus Liebe. Die Christen rechnen fest mit der Gnade Gottes. Sie vertrauen darauf, dass Gott es mit den Menschen gut meint und ihnen mehr geben kann und will als das, was sie selbst haben, selbst machen, selbst sich verdienen.

Wie kann sich das Vertrauen auf die Gnade Gottes in der sozialen Arbeit zeigen? Vielleicht in einer gewissen Gelassenheit: Ich muss nicht alles alleine schaffen. Wenn ich zum Beispiel merke, dass eine Begleitung an einen Punkt gelangt ist, wo wir – mein Klient und ich – nicht mehr weiterkommen. Dann kann ein Christ zu Gott sagen: Ich habe mein Bestes gegeben, mein(e) Klient(in) auch – jetzt bist Du dran. Gib Du, Gott, das Deine dazu. Oder auch in einer gewissen, wie soll man sagen, hoffnungsvollen Frustrationstoleranz. Schau, Gott. Das hier ist nicht gut, aber besser krieg ich’s nicht hin. Aber Du, Du könntest doch was machen. Also?

Fragen:

  • Ist nach Ihrer Überzeugung jeder – allein – seines Glückes Schmied?
  • Wie erscheint Ihnen die Vorstellung, Gott um einen Gefallen zu bitten?

 

Grundkurs Christentum (2): mehr

magisDas zweite Stichwort unseres Grundkurses Christentum ist ein Verhältniswort: MEHR. In diesem kleinen Wörtchen zeigt sich so etwas wie eine Grundeinstellung zur sichtbaren Wirklichkeit. Christinnen und Christen rechnen damit, dass das, was sich uns zeigt, nicht alles ist, was es gibt. Sie rechnen damit, dass es mehr gibt.

Christen glauben zum Beispiel, dass zu einem Menschenleben mehr dazugehört als das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt. Sie sind überzeugt, dass man einen Menschen viel zu klein denkt, wenn man ihn nur mit menschlichen Maßstäben misst. Das, was wir hier und jetzt wahrnehmen, ist nur ein Teil eines größeren Ganzen.

 

Was kann das in der sozialen Arbeit bedeuten?

Am Sterbebett in einem Pflegeheim zum Beispiel könnte es bedeuten: Ich rechne mit der Möglichkeit, dass das nicht das Ende dieses Menschen ist. Dass da noch etwas kommt – für den Sterbenden und für die Menschen, die zurückbleiben, die Angehörigen oder die Freunde oder die Pflegenden. Oder bei Klientinnen oder Klienten, deren Leben zerbrochen oder verstrickt ist, könnte es bedeuten: Ich sehe sie an in der Überzeugung, dass es in diesen Leben noch etwas Anderes gibt. Etwas Heiliges, das ganz unberührt bleibt von Sucht, Gewalt, Wahn, Alter, Krankheit, Behinderung, Versagen, Schuld, Zerstörung oder Selbstzerstörung.

 

Fragen:

  • Glauben Sie, dass es außer der materiellen Welt noch etwas Anderes gibt?
  • Was halten Sie von der Vorstellung, dass jeder Mensch etwas Heiliges in sich hat?

 

Grundkurs Christentum (1): Jesus

Jesus - JohannesFür die Christen spielt ein Mensch namens Jesus eine wichtige Rolle. Er lebte vor etwa 2000 Jahren im heutigen Israel. Seine religiöse Beheimatung hatte Jesus im Judentum. Er war überzeugt, dass es einen Gott gibt, der sich für jeden Menschen interessiert und sich um ihn kümmert. Der Name „Jesus“ heißt übersetzt übrigens so etwas wie „Gott macht heil“.

Im Lauf seines Lebens spürt Jesus, dass Gott mit ihm etwas vorhat. Sein „Lebensprogramm“, seine „Berufung“ wird es, Menschen von Gott zu erzählen. Genauer: Menschen zu sagen und zu zeigen, dass Gott auf ihrer Seite ist. Besonders wendet er sich dabei Menschen zu, die sich selbst nicht sehr geliebt fühlen. Weil sie in Not sind oder weil sie in der Gesellschaft nichts gelten, weil sie sich schämen oder sich in ihrem Leben verstrickt haben. Ihnen versucht Jesus Mut zu machen. Vor allem durch die Art, wie er ihnen begegnet.

Er erinnert sie daran, dass jeder Mensch in sich etwas ganz Heiliges hat, das nicht zerbrechen und nicht besudelt werden kann. Und er versucht, ihr Vertrauen auf Gott zu stärken. Es gibt mehr als das, was du selbst hast oder kannst. Auch mehr, als dir die Anderen geben. In dir gibt es so etwas wie eine himmlische Quelle, aus der du Kraft oder Mut oder Klarheit oder Trost schöpfen kannst.

Was hat das mit der sozialen Arbeit zu tun? Nun, in gewisser Weise setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Caritas oder Diakonie dieses „Programm“ Jesu heute fort. Sie wenden sich Menschen zu – besonders Menschen in Not. Und durch diese Zuwendung – noch vor der konkreten Pflege- oder Beratungs- oder Hilfeleistung – können Menschen spüren: da interessiert sich jemand für mich und mein Leben. Es kümmert eine oder einen, wie es mir geht.

Manchmal spürt jemand in dieser menschlichen Zuwendung vielleicht auch noch mehr. Manchmal spürt sie oder er darin auch so etwas wie die Nähe Gottes. Ohne dass davon extra die Rede ist, vielleicht auch ganz unabhängig, ob ein Pflegender oder eine Beraterin oder ein(e) Begleiter(in) damit etwas anfangen kann.

Reflexions- / Diskussionsfragen:

  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihr berufliches Engagement mit dem „Programm“ Jesu etwas zu tun hat?
  • Wie empfinden Sie die Vorstellung, dass jemand durch Sie die Nähe Gottes spürt?

Neue Serie: Grundkurs Christentum

Kreuz-1 kleinZu Beginn der Fastenzeit startet in diesem Blog eine neue Serie: eine kleine Einführung ins Christentum. Damit sollen die caritativen Unternehmen ernst genommen werden als besondere „Lernorte des Glaubens“ . 

Im Focus stehen Mitarbeitende der Caritas / Diakonie, die selbst keine Christen sind und / oder bislang wenig Erfahrungen mit dem Christentum gemacht haben. Ihnen möchte der Grundkurs einige wichtige Grundelemente des Christentums als Lebensform erklären und dabei auch versuchen, jeweils konkrete Bezüge zur sozialen Arbeit herzustellen.

Selbstverständlich sind auch Mitarbeitende, die mit dem Christentum vertraut sind, herzlich willkommen.

Die Artikel sollen knapp und leicht verständlich sein („KISS: keep it short and simple“). Es geht immer um ein Stichwort. Dazu gibt es zunächst eine kurze Erklärung. Dann wird ein Bezug hergestellt zur sozialen Arbeit („Wie zeigt sich dieses Thema im Arbeitsalltag?“). Jeder Beitrag endet mit einigen Fragen zur Selbstreflexion und / oder zur Diskussion.

Wenn Sie selbst Fragen oder Themen haben, die Sie beschäftigen: schreiben Sie einen Kommentar. Gerne will ich versuchen, darauf einzugehen.