Grundkurs Christentum (3): Gnade

P1030702-CUnser dritte Stichwort heißt: GNADE. Man muss sich vielleicht etwas herantasten, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Im Lateinischen heißt das Wort: gratia: Dank. Gnade meint etwas, das Grund zur Dankbarkeit ist. Wenn wir sagen, dass etwas eine „Gnade“ ist, dann heißt das: Ich habe es nicht eigentlich „gemacht“ oder „verdient“, sondern es ist mir in irgendeiner Weise geschenkt worden. Das kann ein Talent sein zum Beispiel. So sprechen wir von einem „begnadeten“ Redner oder einer begnadeten Pianistin. Sicher, die haben ihren Teil dazu beigetragen: durch Ausbildung, Übung, Mühe. Aber irgendetwas ist dazugekommen, was sie selbst nicht hatten. Oder ein anderes Beispiel: begnadigen. Wenn einer begnadigt wird, dann wird ihm eine Strafe erlassen, die er eigentlich „verdient“ hätte. Er muss nicht voll bezahlen für das, was er getan hat. Er bekommt Freiheit – neue Freiheit – geschenkt. Oder, negativ: gnadenlos. Gnadenlos ist ein Verhalten, das keine Geschenke kennt. Das seine Macht ausschöpft bis zum Ende, oder mich in meiner Not belässt ohne Hilfe.

Theologisch meint Gnade all das, was Gott zu einem guten, gelingenden Leben dazu gibt. Nicht weil er irgendwie „muss“ oder als Gegenleistung für irgendetwas. Sondern einfach so, als Geschenk. Oder noch gefühlvoller: aus Liebe. Die Christen rechnen fest mit der Gnade Gottes. Sie vertrauen darauf, dass Gott es mit den Menschen gut meint und ihnen mehr geben kann und will als das, was sie selbst haben, selbst machen, selbst sich verdienen.

Wie kann sich das Vertrauen auf die Gnade Gottes in der sozialen Arbeit zeigen? Vielleicht in einer gewissen Gelassenheit: Ich muss nicht alles alleine schaffen. Wenn ich zum Beispiel merke, dass eine Begleitung an einen Punkt gelangt ist, wo wir – mein Klient und ich – nicht mehr weiterkommen. Dann kann ein Christ zu Gott sagen: Ich habe mein Bestes gegeben, mein(e) Klient(in) auch – jetzt bist Du dran. Gib Du, Gott, das Deine dazu. Oder auch in einer gewissen, wie soll man sagen, hoffnungsvollen Frustrationstoleranz. Schau, Gott. Das hier ist nicht gut, aber besser krieg ich’s nicht hin. Aber Du, Du könntest doch was machen. Also?

Fragen:

  • Ist nach Ihrer Überzeugung jeder – allein – seines Glückes Schmied?
  • Wie erscheint Ihnen die Vorstellung, Gott um einen Gefallen zu bitten?

 

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Ein Gedanke zu „Grundkurs Christentum (3): Gnade

  1. Marcus Gundlach

    G´tt um einen „Gefallen“ zu bitten, ist für mich selbstverständlich. Allerdings hat er sein eigenes Tempo um uns diese zu gewähren. Von Rabbi Wurmser habe ich gelernt, „dass man aus dem was G´tt uns gibt, etwas machen soll“. Es ist also immer die Gnade G´ttes und unser eigenes Zutun wichtig. Ich persönlich kann mit dem Vergleich Gnade und Liebe nicht sehr viel anfangen, wenn man diese Begrifflichkeiten gleichsetzt. Gnade ist ein Akt der Liebe G´ttes zu seinem Geschöpf, dass unvorbereitet und bedingungslos zum tragen kommt. Liebe ist aus meiner Sicht kein eigenständiger Wert, sondern stellt sich her zwischen Milde und Strenge – so wie für eine gelingende Entwicklung des Menschen im Idealfall Mutter und Vater notwendig sind.

    Antwort

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