Liturgische Feiern sind eine komplexe Sache

labyrinth-kleinZuweilen wird, so mein Eindruck, die Komplexität liturgischer Gestaltung in caritativen Einrichtungen und Unternehmen etwas unterschätzt. Es ist kein Geheimnis, dass symbolische Kommunikation eine weit größere Kraft besitzt als das reine Wort und deshalb grundsätzlich einer hohen Sorgfalt bedarf. Dies gilt in der Liturgie, die ja eine stark verdichtete Form symbolischer Kommunikation ist, im besonderen Maße.

Es lohnt sich sehr, hier gezielt auszuwählen und bewusst zu gestalten.

Zwei Beispiele misslungener liturgischer Gestaltung sollen verdeutlichen, warum es einer besonderen Sorgfalt bedarf. Sie sind beide fiktiv aber doch so typisch, dass sie sich in nahezu jeder sozialen Organisation christlicher Prägung ereignet haben könnten.

Beispiel 1:
Beim Hausgottesdienst, der einmal im Monat unter der Leitung des Caritasdirektors stattfindet, reicht ein Bereichsleiter seiner Mitarbeiterin die Hand zum Friedensgruß. Ein Mitarbeiter weiter hinten flüstert zu seinem Kollegen: „Das ist für mich die typisch kirchliche Scheinheiligkeit. Erst haut er uns in die Pfanne und dann sollen wir freundlich grinsen…“ Was war geschehen? Der Bereich befand sich mitten in einem heiklen Umbauprozess, der mit empfindlichen Einschnitten in die Kompetenzen der Mitarbeiter(innen) verbunden war. Der Bereichsleiter war verantwortlich, die Umstrukturierung umzusetzen, und hatte damit begonnen, entsprechende Mitarbeitergespräche zu führen. Dabei kam es – wie zu erwarten war – zu persönlichen Verletzungen, u. a. auch bei besagter Mitarbeiterin. Sach- und Beziehungsebene waren bei vielen Beteiligten noch stark vermischt. Klärungen standen noch aus. Ein – ritualisierter – Friedensgruß musste zu diesem Zeitpunkt Irritationen auslösen. Die liturgische Form und die persönliche (alltägliche) Erfahrung passten nicht zusammen.

Beispiel 2:
Zum 20 jährigen Jubiläum einer Caritas-Suchtberatungsstelle soll auch ein Gottesdienst stattfinden. Dazu wird der katholische Pfarrer, auf dessem Gemeindegebiet die Beratungsstelle liegt, angefragt. Er zelebriert eine festliche Eucharistiefeier. Bei der Kommunionausteilung bleibt Herr X, der die Beratungsstelle mit aufgebaut hat, hinten stehen. Nach dem Gottesdienst sagt er: „Das hättet ihr mir nicht so spüren lassen müssen, dass ich hier nicht richtig dazugehöre.“ Der Mitarbeiter war evangelisch. Die „exklusive“ Gottesdienstform „Eucharistie“ war der Gemeinschaft der Mitfeiernden nicht angemessen.

Von Unternehmen der „Caritas“, welche auf dem Boden der liturgisch hochkompetenten katholischen Kirche gewachsen ist, kann man, so meine ich, in liturgischen Dingen eine besondere Stilsicherheit erwarten. Dazu wird es sicherlich sinnvoll sein, für eine angemessene liturgische Bildung von Führungskräften und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sorge zu tragen. Ihr Ziel ist zunächst und zuerst ein wacher Blick für verschiedene Formen symbolischer Kommunikation, für gelebte Rituale oder Inszenierungen etc. Dann wird eine gute liturgische Bildung die Urteilskraft schärfen, um heilsame von unheilsamen Ritualen und Symbolisierungen zu unterscheiden. Und schließlich wird sie die Fähigkeit fördern zur eigenen – bewussten und heilsamen – Gestaltung liturgischer Formen und Feiern.

Dabei wird liturgische Bildung ermutigen, sich der eigenen Kreativität und künstlerischen Gestaltungskraft zu bedienen. Sie wird aber auch hinführen zum reichen spirituellen Schatz der liturgischen Traditionen mit ihren vielen gewachsenen und als heilsam bewährten Symbolen, Ritualen und gottesdienstlichen Feiern.

Einige Hinweise, worauf bei der Vorbereitung und „Durchführung“ liturgischer Feiern geachtet werden sollte, werden ohne Anspruch auf Vollständigkeit im nächsten Beitrag dieser kleinen Serie gegeben werden.

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