Lebens-Rhythmen

Mit dem ersten Adventssonntag hat das neue Kirchenjahr begonnen. Das Kirchenjahr ist anders als das allgemeine Kalenderjahr. Es ist nicht einfach eine Abfolge von Kalendertagen. Das Kirchenjahr will der Zeit einen bestimmten Rhythmus und eine bestimmte Charakteristik geben.
Es orientiert sich dabei nicht an einem linear verlaufenden Zeitstrahl, sondern bringt Kreisbahnen, Zyklen in das Leben ein. Dass wir überhaupt mit Tagen, Monaten oder Jahren rechnen, ist eine gewaltige menschliche Kulturleistung. Wir bringen in das Immer weiter“ der Zeit die Idee einer regelmäßigen Wiederkehr. Ohne die Erwartung einer regelmäßigen Wiederkehr würden wir uns in der Zeit verlieren.
Das Kirchenjahr macht aber noch etwas. Es durchdringt die Zeit auch qualitativ. Es unterscheidet zum Beispiel Feiertage und Arbeitstage oder Fastenzeiten und Festzeiten. Durch diese qualitative Prägung der Zeit erhält das Leben einen Rhythmus. Und durch den Rhythmus wird mechanische Zeit zur lebendigen Zeit.
In seelsorglichen settings gehen wir manchmal daran, die Rhythmen im eigenen Leben bewusst wahrzunehmen. Bewusst wahrzunehmen, was, musikalisch gesprochen, in meinem Leben den Takt angibt, welcher Takt das ist. Auch wahrzunehmen, welche Rhythmen mir gut tun, welche zu meinem inneren Lebenstempo passen, und welche mich vielleicht nur gnadenlos vor sich hertreiben. Seinen eigenen Lebensrhythmus zu finden und zu gestalten und auch zu schützen ist eine wichtige und lohnende Aufgabe. Besonders wenn ich mich gehetzt fühle und fremdgesteuert. Rituale können dafür hilfreich sein, persönliche und solche aus den verschiedenen spirituellen Traditionen.
Womit wir wieder beim Kirchenjahr wären. Das ist eine Rhythmisierung des Lebens, die viele Menschen im Lauf der Jahrhunderte als wohltuend und heilsam erlebt haben. Es lohnt sich, so meine ich, sich bewusst auf diese geprägten Zeiten einzulassen. Nachzuspüren, was sie in mir zum Klingen bringen. Die Wechsel in der Akzentsetzung mitzuvollziehen. Die Schwingungen aufzunehmen. Sich davon auch tragen zu lassen.

Welche Hilfestellungen es in der spirituellen Tradition des Christentums dafür gibt, welche Bausteine das liturgische Jahr dafür bereitstellt, dazu gibt es im nächsten Beitrag ein paar Hinweise.

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