40 Tage – spiritueller Impuls zur Corona-Krise (2)

Vierzig Jahre, so heißt es im Alten Testament, sei das Volk Israel in der Wüste unterwegs gewesen auf seinem Weg zwischen der Versklavung und dem gelobten Land. Vierzig Tage zieht sich Jesus in die Wüste zurück, um zu fasten. Und er weilt vierzig Tage auf Erden zwischen Auferstehung und Himmelfahrt.

Die Vierzig ist eine Symbolzahl. Sie steht für eine Zeit, die von begrenzter Dauer ist – von der ich aber nicht wirklich weiß, wie lange sie währt. Entwicklungsprozesse werden beschrieben mit dieser Symbolzahl. Prozesse, wo etwas wächst, sich bewegt, sich wandelt, wo etwas Neues entsteht.

Der Gang durch die Wüste wird ein Ende haben. Dann, wenn das gelobte Land erreicht ist. Dann wird sich auch das Volk gewandelt haben, aus Sklaven sind Freie geworden. Wann genau das aber sein wird, das weiß ich nicht, während ich unterwegs bin. Ich weiß nur zweierlei: Ganz schnell geht es nicht, ein solcher Weg ist keine kurze Episode. Es ist aber auch kein Dauerzustand, in dem ich mich einrichten könnte.

Sie ahnen sicherlich den Zusammenhang zur Corona-Krise. Keiner von uns weiß, wie lange diese Krise dauern wird. Wir wissen: Sie wird ein Ende haben, wenn die Infektionskurve unter Kontrolle ist. Der jetzige Zustand ist kein Dauerzustand, sondern eine Zwischenzeit. Wir wissen aber auch – und nach und nach glauben wir das auch: So ganz schnell geht dieser Zustand nicht vorbei. Wir sind in eine Zeit eingetreten, die anders ist als ein autofreies Wochenende oder die großen Ferien.

Diese eigenartigen Zwischenzeiten kosten viel Kraft. Sie erfordern eine besondere innere Haltung, die sich nicht so leicht herstellen und in Balance halten lässt. Augen zu und totstellen – oftmals erfolgreich bei kürzeren Katastrophen – geht nicht, weil die Zeit dafür zu lang ist. Und sich auf Zukunft hin in der Situation einzurichten, geht auch nicht – weil es kein Dauerzustand sein wird.

Man braucht von beidem ein bisschen. Ich muss mich auf die Situation aktiv einlassen. Ja, wir haben eine Wüsten-Zeit betreten, eine Zeit, wo vieles erst mal nicht mehr geht. Ich kann nicht so tun, als wäre es gleich wieder vorbei. Ja, ich bin bereit, dies anzunehmen – damit ich das, was diese Zeit an Chancen bietet, sehen und nutzen kann – und ich nicht im Protest verharre und verhärte.
Aber auch: Nein, ich muss mich hier nicht auf Dauer einrichten. Ich muss nicht so leben, als würden auf ewig die Lieferketten unterbrochen, als müsste ich meine eigene private Schule oder KiTa eröffnen. Als müsste ich nun alles, was ich für das künftige Leben brauche, nach Hause schaffen. Oder alles, was ich immer schon mal machen wollte, nun unbedingt anpacken.

Locker in Bewegung bleiben. Diesen Tipp hat ein junger Fußballtrainer immer den Spielern gegeben, die ausgewechselt worden sind. Irgendwann wurden sie wieder eingewechselt. Wann genau, das hing am Spielverlauf. In der Zwischenzeit war es wichtig, nicht kalt und starr zu werden – aber auch, nicht zu viel Kraft zu lassen. Vielleicht ist das auch in der jetzigen Corona-Zeit ein guter Ratschlag: locker in Bewegung bleiben. Sich wirklich einlassen auf den Weg, aber nicht starr und verbissen, sondern mit einer gewissen inneren Lockerheit. Irgendwann sind wir schon durch durch die vierzig Tage.

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