Steh‘ auf und iss! – eine biblische Resilienzgeschichte

Brandung-kleinWie ist das mit dem seelischen Krafthaushalt? Was lässt Menschen Widerstände überwinden, Krisen durchstehen, neue Kraft und neuen Mut finden? Was hilft mir selbst, womit habe ich gute Erfahrungen gemacht?

Solche Fragen werden gestellt in Resilienztrainings oder seelsorglichen Teamgesprächen oder spirituellen Klausurtagungen. Man geht auf die Suche nach den eigenen Quellen. Und man kann oft viel voneinander lernen. Nicht selten hat ein anderer einen guten Weg gefunden, der auch mir einen Schritt weiterhilft.

Eine besondere Perspektive bietet der Glaube an. Ein Mensch, der an Gott glaubt, rechnet damit, dass es mehr gibt als das Eigene.  Der gläubige Mensch rechnet grundsätzlich damit, dass Gott etwas in meinem Leben und für mein Leben bereithält. Das gilt auch für den Krafthaushalt und den Umgang mit Widerständen und Krisen.

Es gibt eine interessante biblische Geschichte, die das in ein existentielles Bild fasst. Sie steht im ersten Königsbuch. Im Mittelpunkt steht der Prophet Elija und er wird betrachtet im Moment einer schweren Lebenskrise. Sie ist so schwer, dass er sich den Tod wünscht. Doch dann passiert etwas:

Elija geriet in große Angst. Da machte er sich auf den Weg. In Beerscheba ließ er seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagesreise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh‘ auf und iss! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh‘ auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.“ (1 Kön 19)

Das Bild vom Engel ist ein Existenzbild. Es geht da nicht um ein wunderliches Flügelwesen. Ein Engel ist ein Bote Gottes. Ein Bote, der etwas von Gott zeigen, etwas von seiner Kraft bringen kann. Das kann beispielsweise ein Mensch sein, der mir in einer bestimmten Situation zum Engel wird. Ja, wir können einander zum Engel werden. Elija begegnet in dieser Szene einem solchen Engel. Und dieser bringt ihn in Kontakt mit neuen Ressourcen. Der Engel erscheint in dem Moment, wo Elija loszulassen beginnt. Dargestellt wird das durch das Bild des Schlafes. Er hat alles gegeben. Mehr hat er nicht. Nun muss entweder etwas Anderes, Neues kommen – oder er geht zugrunde. Und in diesem Moment, wo er loslässt, sich fallen lässt, kommt das Neue. Der Engel kommt und mit ihm neue – seelische – Nahrung.

Eines allerdings muss Elija dann wieder tun. Er muss aufstehen und essen. „Steh‘ auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.“ Auf unseren Lebensalltag übertragen wird das heißen: Schau‘ dich um, vielleicht begegnet dir gerade ein Engel und hat für dich neue Nahrung dabei, etwas, das deine Lebenkraft, deinen Lebensmut nähren kann. Schau dich um in deinem Leben nach „Brot“ und „Wasser“, nach den großen und kleinen Kraftquellen. Und dann steh‘ auf und iss. Ich – Gott – sorge dafür, dass du nicht seelisch verhungerst. Aber du – Mensch – musst im rechten Augenblick aufstehen und essen, um Kraft zu bekommen für den nächsten Schritt.

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