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Im Licht Gottes betrachtet

Vielleicht haben Sie es bemerkt. In der lukanischen Weihnachtsgeschichte kommt ein Detail vor, das wir als adventliches Motiv schon kennen gelernt haben: der Glanz, die Lichtwucht Gottes.

Wir finden das Motiv in der ersten Szene mit den Hirten. Im Text heißt es:

Hirten waren in dieser Gegend auf dem Feld, Wache haltend des Nachts über ihre Schafe. Und ein Engel Gottes trat zu ihnen und der Glanz Gottes umstrahlte sie.

Der Glanz, die Lichtwucht Gottes umstrahlt sie. Von Gott her wird, wenn man so sagen will, ihre Lebenssituation in ein anderes Licht getaucht. Was zunächst einmal eine existentielle Erschütterung auslöst. Sie wurden von einer großen Furcht erfüllt, heißt es. Der Engel reagiert darauf. Fürchtet euch nicht! Der erste Imperativ im neuen Testament. Nicht fürchtet euch! Und weiter: Siehe nämlich: ich verkünde euch – hier haben wir im Text das Verb, von dem „Evangelium“ kommt: ich spreche euch gut zu, ich habe gute Nachricht – eine große Freude, die sein wird dem ganzen Volk.

Literarisch haben wir zwei Paare: die Nacht und die Lichtwucht Gottes; und die große Furcht und die große Freude. Daraus ist die existentielle Botschaft gebaut.

Die Lebenssituation eines Menschen tritt ein in das Licht Gottes. Sie wird dadurch durchsichtig für eine andere Art der Wahrnehmung und Bewertung. Das ist das Grundprinzip der christlichen Weltanschauung. Christliche Weltanschauung rechnet damit, dass ein menschliches Leben – mein Leben – im Licht Gottes anders aussieht. Dass im Licht Gottes noch ganz andere Dimensionen sichtbar werden als die, die ich sehe. Dass sich – hier kommen Furcht und Freude ins Spiel – im Licht Gottes auch bedrohliche und beängstigende Situationen wandeln können. Dass darin etwas zum Vorschein kommen kann, das Entlastung bringt oder Hoffnung macht oder, mit aller Vorsicht gesagt, mit Humor zu nehmen ist.

Die Botschaft des Engels, die die in den Lichtglanz Gottes getauchten Hirten hören, ist aber noch nicht zu Ende. Von einem „Retter“ ist die Rede und von einem „Gesalbten“ (das griechische Wort dafür ist „Christos“, das hebräische „Messias“). Was es damit auf sich hat, dazu mehr im nächsten Beitrag. Bleiben Sie dran.

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