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Erzählungen, Narrative

Der Übergang von der Advents- zur Weihnachtszeit wird liturgisch, wenn man so will, auch durch eine Änderung der existentiellen Resonanzräume markiert. Sind es in der Adventszeit stärker existentielle Bilder – Szenerien, Visionen – so kommen mit Weihnachten Erzählungen, Narrative in den Blick.

Es ist eine gewaltige kulturelle und spirituelle Errungenschaft, wenn es Erzählungen gibt, die durch die Jahrhunderte hinweg in Menschen etwas anrühren. Erzählungen, in die sich Menschen mit ihrem eigenen Leben hineinversetzen können, Jahr um Jahr neu. Jahr um Jahr hören wir die Erzählung von der Geburt eines Kindes in einem Stall in Betlehem. Wir hören von Maria und Josef, von Hirten und Königen, von Engeln und Sternen.

Viele kennen diese Geschichten, zumindest in den Grundzügen. Und warten darauf. Warten darauf, dass sie wieder gelesen werden in der Heiligen Nacht. Es ist nicht der Überraschungseffekt, der die Erwartung nährt. Es geht nicht um Neuigkeiten. Es sind Narrative, in die man sich hineingeben kann. In die man eintreten kann mit seiner Lebenssituation. Wie wird es klingen dieses Mal? Welche Figur rührt mich an? Wem bin ich freund, wem fremd? Welches Wort oder welche Handlung wird mir nahe gehen in dieser Nacht oder am Morgen danach? Wird mir etwas darin Ermutigung sein oder Trost oder Hoffnung oder Freude  zwischen den Jahren und im Blick auf das Neue, das kommt?

Es ist eine große Sache, dass es solche Narrative gibt. Es tut gut, sich damit vertraut zu machen, sie in seine Lebenskultur aufzunehmen und zu pflegen. Aber auch wenn Menschen die Erzählungen nicht kennen oder sie vergessen haben, ist es eine Chance. Dann können sie diese Erzählungen neu kennenlernen, sie mit wachen Ohren anhören und einfach auf sich wirken lassen.

Man muss bei den Weihnachtserzählungen, das vielleicht noch als Hinweis, gar nicht tief in die Theologie von der Menschwerdung Gottes einsteigen. Dass das Leben eines Menschen – auch Ihres und meins – mit Gott in Berührung ist, darum geht es. Darum geht es in allen biblischen Bildern und Geschichten.

Auf ein paar Details dieser wunderbaren weihnachtlichen Erzählungen möchte ich Sie hinweisen in den nächsten Beiträgen. Bleiben Sie dran.

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Licht in der Dunkelheit

Menschen in einer Phase der existentiellen Dunkelheit. Und dann der Moment, wo sich, ganz langsam und zart, eine Wende andeutet. Wo von irgendwo her ein lichter Schein sichtbar wird. Nicht von irgendwo her, von Gott her.

Das ist die Erfahrung, die Menschen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gemacht haben. Dass es eine Kraft gibt, die Finsternis durchbrechen kann. Nicht nur eine Kraft, eine liebende Person mit dieser Kraft. Von dieser Erfahrung wollen die Texte künden. Diese Hoffnung wollen sie im Herzen wach halten oder in die Seele zurückholen.

Das Existenzbild vom Licht in der Dunkelheit begleitet die ganze Advents- und Weihnachtszeit. Einige besonders schöne Formulierungen seien hier zusammengestellt. Wenn Sie in nächster Zeit einen Gottesdienst besuchen oder vielleicht regelmäßig an der Liturgie teilnehmen, achten Sie mal drauf, ob Sie sie  entdecken.

Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.
Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.

Kommt,
wir wollen unsere Wege gehen
im Licht des Herrn.

…wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes.

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.
Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis
und anlegen die Waffen des Lichts.

Denn der Tau, den du sendest,
ist ein Tau des Lichts.

Da trat ein Engel zu ihnen
und der Glanz Gottes umstrahlte sie.

Und dann gibt es in der Advents- und Weihnachtszeit noch ganz andere berührende Existenzbilder. Von Toren ist die Rede, die sich auf einmal öffnen. Von Wolken, die Gerechtigkeit regnen. Von einem Himmel ist die Rede, der endlich aufgerissen wird. Wir hören von einem Stern und von Menschen, die diesem Stern, ihrem Stern folgen. Es gibt Geschichten von Träumen, die Menschen im rechten Augenblick den nächsten Schritt weisen. Wir treffen Menschen in fragilen Beziehungskonstellationen, wo sie sich ihrer selbst und ihrer Liebe nicht sicher sind. Wir hören von inneren und äußeren Fluchten, aber auch von Schutzräumen, von wunderbarer Hilfe und treuem Geleit. Das ganze Leben verdichtet sich in diesen Geschichten.

Bleiben Sie dran.