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Martha und Maria

Joachim Reber: Martha

Eine andere biblische Geschichte, die in der spirituellen Begleitung von Mitarbeitenden im Sozial- oder Gesundheitswesen gerne eingesetzt wird, ist die Geschichte von Maria und Martha (Lk 10,38-42).  Auch sie zeigt exemplarische Lebensmuster.

[Einmal kam Jesus] in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

In einem Diakonie-Care-Kurs haben wir uns diesem Text zunächst über die Methode des sogenannten Bibliologs angenähert. Dabei versetzen sich die Teilnehmer*innen in die Gestalten des Textes hinein und sprechen das aus, was sie an ihrer Stelle empfinden (würden). Der eigentliche Text wird dadurch kreativ erweitert, weil die eigenen Gedanken und Empfindungen zu Äußerungen der biblischen Figuren werden. Lebensgeschichte und biblische Geschichte treten miteinander in Interaktion und können sich gegenseitig bereichern.

Der Kontext, in dem wir diese Geschichte analysiert haben, war die Frage nach persönlichen Wahrnehmungsmustern. Die beiden Frauen deuten die Situation, die durch den Besuch Jesu geschaffen wird, völlig unterschiedlich. Sie tun dies deshalb, weil sie, wenn man so will, jeweils in einem anderen Lebensmodus sind.

Den einen Modus – Martha – könnte man „Bewährungsmodus“ nennen. Für sie ist es eine Situation, in der sie sich als gute Gastgeberin bewähren will, bewähren muss. Entsprechend werden Fragen wie: Was muss ich tun? Wie mache ich es gut? Was darf auch keinen Fall schiefgehen? etc. zu Leitfragen, die die Situationswahrnehmung prägen.

Den Modus, in dem Maria unterwegs ist, könnte man dagegen „Empfangs- oder Geschenkmodus“ nennen. Für sie ist es vor allem eine Situation, in der sie für ihr Leben etwas Neues bekommen kann, Inspiration, Nahrung, Lebensfreude, Lebendigkeit. Ihre Leitfragen sind: Wie kann ich gut empfangen? Welche Erfahrungen kann ich hier machen? Was will mir diese Situation geben etc.

Ein Anstoß, den diese Geschichte gerade sozial engagierten, verantwortungsbewussten Menschen geben kann, ist: Achte darauf, nicht ständig im „Bewährungsmodus“ zu verharren, sondern immer wieder auch in den „Empfangs- und Geschenkemodus“ umzuschalten. Weil Dein Leben sonst keine Nahrung bekommt. Es kann sein, dass ein Mensch seelisch verhungert. Nicht, weil es keine Gelegenheiten gegeben hätte, sich zu nähren, zu stärken, zu beleben – sondern weil er diese Gelegenheiten nicht auskosten konnte, weil er im falschen Modus war.
Es ist gut und wichtig, dies nicht zu vergessen. Sich immer wieder zu fragen: Wo sind die Situationen in meinem Leben, die mich beleben? Könnte die Situation, in der ich mich gerade befinde, nicht eine sein, die mich beschenken und nähren will? Bin ich dafür empfänglich?

Und es ist recht und richtig, für diese Empfänglichkeit auch zu kämpfen. Sie gegen den oft allgegenwärtigen „Bewährungsdruck“ zu verteidigen und davor zu schützen. Nichts anders macht Jesus ja in dieser Situation. Man kann sich das auch selbst immer wieder sagen, wenn man etwas aufnimmt, annimt, auskostet, genießt: Du hast den guten Teil gewählt. Der soll Dir nicht genommen werden.

Relaunch

Joachim Reber: Flipchart

Regelmäßige Leserinnen und Leser haben es bemerkt. Dieses Blog hat wieder einmal einen kleinen Relaunch erhalten. Vor allem: die Werbung ist weg. Bislang wurde das Blog in seiner kostenfreien Version betrieben. Das führte dazu, dass auf den User abgestimmte Werbung eingeblendet wurde. Und das wiederum führte dann zuweilen zu ganz seltsamen und auch ärgerlichen Kombinationen. Deshalb habe ich jetzt auf eine kostenpflichtige und werbefreie Version umgestellt.

Zum Zweiten: Die meisten alten Artikel wurden rausgenommen. Nur ein paar wenige exemplarische ältere Beiträge sind noch eingestellt. Das soll künftig auch so gehandhabt werden, dass die Beiträge eine Zeitlang abrufbar sind und dann aber auch wieder verschwinden. Wenn Sie es länger und genauer und vertiefter möchten, dafür sind die Grundsatzartikel und die Bücher da. Eventuell vielleicht irgendwann noch ein kleines Archiv mit so etwas wie kurzen Grundsatzartikeln. Mal schau’n.

Und wenn Sie die Seiten ganz genau durchschauen, werden Sie sehen, dass im Impressum nun der Bezug zum Caritasverband für Stuttgart fehlt. Das hängt mit einem Stellenwechsel zusammen. Künftig ist dieses Blog zunächst und zuerst einfach eine kleine Postille von mir als „Privatautor“. Aber natürlich fließen auch weiterhin Erfahrungen aus meiner beruflichen und freiberuflichen Beschäftigung mit Spiritualität in sozialen Unternehmen, mit Fragen nach einem christlich-spirituellem Profil und einer guten, heilsamen Unternehmenskultur in die Beiträge ein. Ein paar Stichworte, um die die Überlegungen in diesem Blog immer wieder kreisen, sehen Sie auf dem Flipchart.

Unverändert aber ist das Anliegen und Ziel dieses Blogs.  Die Gedanken und Betrachtungen wollen Sie inspirieren, wollen Ihnen etwas Gutes geben und Sie herzlich einladen zum Weiterdenken und zum Dialog.