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Professionalität und Spiritualität

Letzte Woche war ich eingeladen, an einer Begegnungs- und Austauschreise teilzunehmen. Sie führte uns, eine Gruppe von Mitarbeitenden aus Caritas und Kirchengemeinden, nach Mailand zur Caritas Ambrosiana, mit der der Diözesancaritasverband Rottenburg-Stuttgart seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist. Dabei kam es zu vielfältigen Begegnungen, Einblicken und Gesprächen. Wir haben verschiedene Einrichtungen besucht, haben dort Menschen kennengelernt, die sich ehrenamtlich oder beruflich für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzen. Wir haben etwas von der Kultur und der Atmosphäre mitbekommen, die dort jeweils zu spüren ist. Wir sind auch untereinander ins Gespräch gekommen, haben voneinander etwas erfahren über den je eigenen Zugang zu dieser Arbeit, über die Motivation und die Quellen, aus denen sich Selbstverständnis und Motivation speisen.

Wieder einmal ist deutlich geworden, dass soziale Arbeit – im weiten Sinne: wenn Menschen mit Menschen arbeiten – zwei Dimensionen umfasst. Einerseits stellen die Mitarbeitenden ihre Professionalität (Ausbildung, Berufserfahrung, Fachexpertise etc.) zur Verfügung. Darin und darüber hinaus bringen sie aber immer auch sich selbst als Person in die Beratung, Begleitung, Pflege, Führung mit ein. In einem allgemeinen Sinne kann das Gesamt der geistigen und geistlichen Grundlagen, die Personen in ihre Arbeit einbringen (Werthaltung, Menschenbild, Gesellschaftsvision, Lebenskonzept, Berufsethik…), ihre Spiritualität genannt werden. Und neben aller fachlichen Anregung ist es vor allem der Kontakt zu dieser spirituellen Dimension der caritativen (und auch der pastoralen) Arbeit, der eine solche Lern- und Begegnungsreise so anregend und inspirierend macht.

Für die Lebendigkeit und die Innovationskraft eines diakonischen Unternehmens oder einer caritativen Einrichtung ist es ungeheuer wichtig, dass es geschützte, gestaltete und gepflegte Räume (settings) gibt, in denen sich Mitarbeitende und Führungskräfte ihrer je eigenen Spiritualität immer wieder vergewissern und dazu auch voneinander etwas erfahren können. Geschützte, gestaltete und gepflegte Räume, in denen unter den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden ein achtsamer und respektvoller Dialog über die je eigene Spiritualität möglich ist und gefördert wird. Ich verwende dafür gerne den Begriff Kultur der existentiellen Kommunikation. Und ich bin überzeugt, dass eine solche Kultur ein bedeutsames, ein unverzichtbares Element einer christlichen Unternehmenskultur ist.