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Offener Himmel

Gefühlt ist die Weihnachtszeit für die meisten schon länger vorbei. Im liturgischen Jahreskreis endete sie am letzten Sonntag mit dem Fest der Taufe Jesu. Die biblische Szene, die dabei im Mittelpunkt steht, bringt die Bilder und Gedanken, die uns seit Advent beschäftigt haben, zu einem konzentrierten Höhepunkt.

In der Chronologie des Lebens Jesu liegt zwischen den Geschichten um seine Geburt und dem Bericht von seiner Taufe eine lange Zeit. Jesus tritt, so viel ist wohl auch historisch gesichert, etwa mit dreissig in das Licht der Öffentlichkeit. In diesem Alter hatte er – existentiell gesprochen – über seine innere Lebenslinie, seine persönliche Berufung, seine Mission, seinen Lebensauftrag ausreichend Klarheit gewonnen und er wendet sich mit seiner Botschaft an die Öffentlichkeit. Er spricht von einer Welt, die durch Liebe gewandelt werden kann. Er spricht vom Menschen, der mehr ist , der  – jede und jeder einzelne – Ebenbild und Kind Gottes ist. Und er bringt Lebenssituationen mit der heilenden und erlösenden Kraft Gottes in Berührung.

An den Beginn dieser öffentlichen Mission stellen die Evangelien eine Szene, die Jesus selbst im Licht seiner Botschaft zeigt. Jesus ist darin hinausgezogen zu Johannes dem Täufer, einem berühmten Bußprediger, der Menschen zur Umkehr, zur Änderung ihrer Existenzrichtung ruft. Und der diesen Entschluss zur Umkehr in einem Zeichen verdichtet: dem Untertauchen im Wasser.

Als Jesus an der Reihe ist, geschieht etwas Ungewöhnliches. Oder vielleicht müsste man präziser sagen: Es wird auf ungewöhnliche Weise etwas sichtbar. Bei Lukas heißt es:

Als Jesus in der Taufe war, betend,
da öffnete sich der Himmel
und herab kam der heilige Geist auf ihn,
und es war vernehmbar eine Stimme aus dem Himmel:
Du bist mein Sohn, der geliebte, an dir habe ich Gefallen.

Jeden Menschen würden wir so wahrnehmen, würden wir mit den Augen Gottes sehen. Sie und ich, wir sind Töchter und Söhne Gottes. Auf Ihnen und auf mir liegt Gottes Geist. Und auch wenn wir selbst das vielleicht nicht immer so empfinden: Gott hat an uns Gefallen. Er sieht das Gute und Schöne in uns und freut sich daran.

Manchmal kann es sein, dass wir eintauchen in diesen Blick Gottes. Dass wir in einem anderen Menschen oder in uns selbst das Schöne, Gute, Heilige sehen, das, was nicht beschmutzt werden kann, nicht gebrochen, was nicht verlierbar ist. Oder dass wir etwas von Gottes heilender Kraft spüren. Oder uns geliebt wissen, so wie wir sind. Das sind Momente, in denen sich, und sei es nur einen Augenblick, der Himmel öffnet.

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