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Existentieller Resonanzraum

Was ist nun das Besondere des Kirchenjahres oder, wie es auch genannt wird, des liturgischen Jahres? Auch hier geht es darum, der Zeit einen bestimmten Rhythmus und eine bestimmte Charakteristik zu geben. Dies geschieht aber nicht durch den Rückgriff auf Naturzustände, sondern dadurch, dass in einer regelmäßigen Abfolge bestimmte existentielle Themen in den Blick gestellt werden.

Das liturgische Jahr ist so etwas wie ein existentieller Resonanzraum. Es will mit seinen Texten, Bildern, Symbolen, Ritualen, Inszenierungen im Menschen etwas zum Klingen bringen. Es gibt Anstöße, das eigene Leben sorgfältig und achtsam zu betrachten. Das, was ist, bewusst wahrzunehmen, verschiedene Lebensdimensionen und Lebensfelder anzuschauen. Nach und nach führt es einen gewissermaßen durch verschiedene Räume des eigenen Lebens, durch die schönen, lebendigen, liebevollen, aber auch durch dunkle, dürre, traurige oder auch ganz verschlossene. Das Kirchenjahr lädt ein, das, was zu meinem Leben gehört, ohne Trug und ohne Angst zu betrachten. Es wahrzunehmen – und das ist das Besondere einen religiösen, christlichen Lebensbetrachtung – mit der Hoffnung und dem Vertrauen, dass auch Gott mit darauf schaut, mit seinem liebevollen Blick.

Das geschulte Auge kann in der Liturgie schon optisch erkennen, welchen Charakter eine Zeit hat. Es werden verschiedene Farben verwendet, für das Gewand des Priesters zum Beispiel oder für verschiedene Behänge im Altarraum. Festzeiten strahlen in Weiß oder Gold, Besinnungs- und Fastenzeiten dagegen tragen violett. Die liturgische Farbe des Advents ist violett. Er ist eine Zeit der Besinnung, eine Zeit der inneren (Neu-)Orientierung.
Das zweite wichtige prägende Element sind die Texte, die in dieser Zeit gelesen werden. Es gibt eine Leseordnung, durch die bestimmte biblische Geschichten, Gedichte, Gebete für eine bestimmte Zeit ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Die verschiedenen liturgischen Zeiten haben ihre eigenen charakteristischen Texte, ihre charakteristischen sprachlichen Bilder. Und diese sprachlichen Bilder laden ein und helfen, bestimmte existentielle Themen in den Blick zu nehmen.

Wir werden den Texten und sprachlichen Bildern des Advents ein wenig auf die Spur gehen. Werden ein paar dieser charakteristischen Texte betrachten und ihre existentiellen Tiefe ausloten. Ein kleiner Vorgeschmack vielleicht schon: In der Adventszeit geht es oft um Dunkelheit und Licht. Das ist ein großes Thema des Propheten Jesaja, Dunkelheit und Licht als Lebensrealitäten. Jesaja hat für uns eine Ermutigung, wenn es düster ist in unserem Gemüt oder wenn es uns an Klarheit fehlt :

Richte dich auf, werde licht. Denn es kommt dein Licht. Und der Glanz Gottes geht auf über dir , hell leuchtend.

Mehr dazu im nächsten Beitrag.

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