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Lernorte des Glaubens

Vielleicht fragen Sie sich, warum solche Darstellungen christlicher Narrative oder Erklärungen zum Kirchenjahr als existentiellen Resonanzraum in einem Blog stehen, in dem es um „christlichen Geist in sozialen Unternehmen“ gehen soll. Gehört eine christlich-spirituelle Bildung etwa zu den Aufgaben von Caritas und Diakonie?

Ja. Eine christlich-spirituelle Bildung gehört zu den Aufgaben von Caritas und Diakonie. Sie soll dort sogar besonders gut sein, auf einem hohen Niveau, attraktiv und passgenau für eine weltanschaulich plurale Mitarbeiterschaft. Ich bin überzeugt, dass sich das christlich-spirituelle Profil von Caritas und Diakonie nicht zuletzt darin zeigt, dass ihre Unternehmen und Einrichtungen für interessierte Mitarbeitende und Führungskräfte zu vorzüglichen Lernorten des Glaubens werden können.

Die Frage nach dem christlichen Profil wird hier anders gestellt. Es wird nicht (mehr) gefragt: Sind die Mitarbeitenden christlich oder katholisch oder evangelisch? Sondern es wird gefragt: Inwieweit ist diese Einrichtung, das Unternehmen, die Organisation ein besonders guter Ort, um christlich-spirituelle Erfahrungen zu machen? Kann ein interessierter Mensch dort bei seiner persönlichen Auseinandersetzung mit den Fragen des Lebens geistige und geistliche Nahrung finden? Dieser Zugang ist ein wirklicher Paradigmenwechsel. Das christliche Profil wird nicht mehr vor allem in der persönlichen christlichen Spiritualität der einzelnen Mitarbeitenden gesucht. Sondern es wird die „institutionelle Spiritualität“ in den  Blick genommen und gefragt ob und inwieweit die Einrichtung oder die Organisation inspirierende Lern- und Begegnungmöglichkeiten für christliche Spiritualität bereit hält: Austausch- und Erfahrungsräume, Informationsangebote, Begegnungsformate, Begleitprogramme uvm.

Diejenigen, die in Caritas und Diakonie, aber auch in der verfassten Kirche eine besondere Verantwortung für das christliche Profil caritativer Unternehmen tragen, sollten dabei durchaus auch einen kritischen Blick auf die Entwicklungen werfen. Sie sollen nachfragen und nachschauen, ob die caritativen Einrichtungen und Unternehmen wirklich an einer Kultur der Reflexion und existentiellen Kommunikation interessiert sind und daran arbeiten. Ob die weltanschaulich-religiöse Pluralität wirklich als Herausforderung und Gestaltungsaufgabe angenommen wird – und nicht als letztlich unbedeutendes Nebenthema abgetan wird beim Kampf um Fachkräfte. Sie sollten begründete Kritik äußern, wenn die spirituellen Bildungsformate, die spirituellen Erfahrungs- und Lernräume bei den caritativen Unternehmen die spirituelle Vielfalt ihrer Mitarbeitenden, Klienten, Bewohner etc. nicht abbilden. Kritisch betrachtet und geprüft werden sollte auch, ob die Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten für christliche Spiritualität und christlichen Glauben auf einem angemessenen Niveau sind. Angemessen für erwachsene, hochausgebildete Mitarbeitende und Führungskräfte.

Im Idealfall sollte jeder Interessierte in einem christlich-caritativen Unternehmen die Erfahrung machen können, dass allen Religionen und Weltanschauungen gegenüber eine religionssensible und respektvolle Haltung gefördert und gepflegt wird. Darüber hinaus kann er im Hinblick auf das Christentum erwarten, auf seinem Glaubensweg angemessene Begleitung und Unterstützung zu finden.

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Lebens-Rhythmen

Mit dem ersten Adventssonntag hat das neue Kirchenjahr begonnen. Das Kirchenjahr ist anders als das allgemeine Kalenderjahr. Es ist nicht einfach eine Abfolge von Kalendertagen. Das Kirchenjahr will der Zeit einen bestimmten Rhythmus und eine bestimmte Charakteristik geben.
Es orientiert sich dabei nicht an einem linear verlaufenden Zeitstrahl, sondern bringt Kreisbahnen, Zyklen in das Leben ein. Dass wir überhaupt mit Tagen, Monaten oder Jahren rechnen, ist eine gewaltige menschliche Kulturleistung. Wir bringen in das Immer weiter“ der Zeit die Idee einer regelmäßigen Wiederkehr. Ohne die Erwartung einer regelmäßigen Wiederkehr würden wir uns in der Zeit verlieren.
Das Kirchenjahr macht aber noch etwas. Es durchdringt die Zeit auch qualitativ. Es unterscheidet zum Beispiel Feiertage und Arbeitstage oder Fastenzeiten und Festzeiten. Durch diese qualitative Prägung der Zeit erhält das Leben einen Rhythmus. Und durch den Rhythmus wird mechanische Zeit zur lebendigen Zeit.
In seelsorglichen settings gehen wir manchmal daran, die Rhythmen im eigenen Leben bewusst wahrzunehmen. Bewusst wahrzunehmen, was, musikalisch gesprochen, in meinem Leben den Takt angibt, welcher Takt das ist. Auch wahrzunehmen, welche Rhythmen mir gut tun, welche zu meinem inneren Lebenstempo passen, und welche mich vielleicht nur gnadenlos vor sich hertreiben. Seinen eigenen Lebensrhythmus zu finden und zu gestalten und auch zu schützen ist eine wichtige und lohnende Aufgabe. Besonders wenn ich mich gehetzt fühle und fremdgesteuert. Rituale können dafür hilfreich sein, persönliche und solche aus den verschiedenen spirituellen Traditionen.
Womit wir wieder beim Kirchenjahr wären. Das ist eine Rhythmisierung des Lebens, die viele Menschen im Lauf der Jahrhunderte als wohltuend und heilsam erlebt haben. Es lohnt sich, so meine ich, sich bewusst auf diese geprägten Zeiten einzulassen. Nachzuspüren, was sie in mir zum Klingen bringen. Die Wechsel in der Akzentsetzung mitzuvollziehen. Die Schwingungen aufzunehmen. Sich davon auch tragen zu lassen.

Welche Hilfestellungen es in der spirituellen Tradition des Christentums dafür gibt, welche Bausteine das liturgische Jahr dafür bereitstellt, dazu gibt es im nächsten Beitrag ein paar Hinweise.

Neues Jahr, neues Glück

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem Beginn des neuen Kirchenjahres geht dieses Weblog wieder ans Netz. Ein Blog rund um die Spiritualität – die vielfältigen und reichhaltigen Spiritualitäten – in den Unternehmen, Diensten, Einrichtungen, Teams  von Caritas und Diakonie. Gedanken, Fragen, Impulse, Verweise, mal ein kurzer Bericht aus einem Seminar oder Klausurtag oder was sonst vielleicht für Sie interessant sein könnte. Schauen Sie immer mal wieder rein, kommentieren Sie, ergänzen Sie, stellen Sie Fragen. Viel Freude und Inspiration!

Spiritualität (in) der caritas: Was heißt das eigentlich? Lesen Sie dazu einige Überlegungen in einem Artikel im caritas Jahrbuch 2017.

Interesse an einer Vertiefung? Dann klicken Sie doch mal rein in die Rubriken Grundsatzartikel und Bücher.