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Weggemeinschaft – spiritueller Impuls zur Corona-Krise (3)

Ein Bild, das diese Zeit gut verdichten kann, ist das der Weggemeinschaft. Menschen sind unterwegs auf einem Weg, der sie durch gefährliches Gelände führt, durch eine Wüste von unbekanntem Ausmaß.

Es sind viele Menschen unterwegs, alle zunächst einmal auf ihrem je eigenen Lebensweg, in ihrer je eigenen Lebens- und Beziehungswelt, mit ihren eigenen Themen, ihren Sorgen, Nöten und Freuden. Alle mit ihrer ganz persönlichen Berufung auch und ihren individuellen Begabungen und Charismen.

Die Chance ist, dass aus der Ansammlung der vielen Einzelnen, die diese Wüste durchqueren müssen, eine Weggemeinschaft wird. Eine Gemeinschaft von Menschen, die sich auf diesem Weg gegenseitig Geleit und Unterstützung geben. Die Chance ist, dass auf diesem Weg Menschen in unterschiedlichen Konstellationen zusammentreffen, ein Stück gemeinsam gehen und sich auf diesem Wegstück gemeinsam bereichern.

Wenn die Weggemeinschaft lebendig und wachsam ist, dann geraten die nicht aus dem Blick, denen die Kraft ausgeht, die nicht mehr können, die gefallen sind. Dann gibt es in diesem Moment andere Wanderer, die ihnen wieder aufhelfen, sie stützen, vielleicht auch ein Stück weit auf die Schulter nehmen und tragen.

Wir können seit Beginn der Corona-Krise eine Fülle beeindruckender Beispiele erleben dafür. Beispiele, wie Menschen, das, was sie dabeihaben auf diesem Weg, mit anderen teilen. Wie sie füreinander da sind, Informationen teilen, Musik machen, ermutigen, trösten, ermahnen auch und Orientierung geben. Beruflich und freiwillig, in vielfältigsten Formen. Alles Beispiele für echte, füreinander sorgende, solidarische Weggemeinschaften

Es ist eine weltweite Weggemeinschaft, auch das wird in diesen Tagen deutlich. Menschen nehmen weltweit aneinander anteil, ermutigen einander, setzen Zeichen der Solidarität. Der emotionale Boden für Solidarität ist in der Tiefe immer ein Gefühl geteilter Identität. In der Corona-Krise können wir dies erleben. Wir können uns als Weltgemeinschaft erleben, als weltweite Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam einen schweren Weg zurücklegen müssen und sich dabei gegenseitig stärken.

Eine Besonderheit dieser Weggemeinschaft ist, dass wir uns auf diesem Weg nicht zu nahe kommen dürfen. Wir sind einander auch Gefahr auf diesem Weg. Es ist eine Weggemeinschaft von Menschen mit dünner Haut, eine Gemeinschaft von Verwundeten und Verwundbaren. Wir brauchen andere, neue Formen von Zartheit und Zärtlichkeit. Formen, uns nahe zu kommen und nahe zu sein, ohne uns zu gefährden und zu verletzen. Auch da gibt es schon berührende – in genau diesem Sinne – Beispiele. Konzerte, die Menschen im Netz geben, gemeinsame Gesänge, virtuelle Gottesdienste und vieles mehr. Auch das Gebet ist eine Weise, sich nahe zu kommen, ohne einander zu verletzen.

Gemeinsam unterwegs. Weggemeinschaft. Pilgerndes Gottesvolk, wenn Sie es theologisch formulieren möchten. Eine Erfahrung hat das biblische Gottesvolk immer gemacht, sie kann uns auch heute auf unserer Wüstenwanderung begleiten. Die Erfahrung, dass über einer sorgenden Weggemeinschaft der Segen Gottes liegt. Dass Gott selbst mitgeht auf einem solchen Weg und das Seine dazu beiträgt, dass die Kraft nicht ausgeht und der Mut nicht niedersinkt.