Toleranz, Wertneutralität und Freie Wohlfahrtspflege

Immer wieder, vor allem, wenn es um die Verteilung von Geldern geht, wird vonseiten staatlicher Institutionen gegenüber den freien Trägern, insbesondere der kirchlichen, eine eigenartige Diskussion vom Zaun gebrochen. Es wird angemahnt, die Träger sollten ihre soziale Arbeit – die Erziehung von Kindern etwa – „wertneutral“ gestalten. Und sie sollten ihren Mitarbeitenden gegenüber „Toleranz“ üben, vor allem, was die Einstellungspraxis anbelangt. Um diesen Anliegen Druck zu verleihen, wird angekündigt oder angedroht, die staatlichen Geldflüsse für die jeweilige soziale Arbeit an die „Wertneutralität“ und die „Toleranz“ zu knüpfen und bei Missachtung dieser Prinzipien die Unterstützung einzustellen.

Je nach gesellschaftlicher Stimmungslage trifft diese Ankündigung auf breite und positive Resonanz. Man sieht sich bestätigt in seinem Urteil über die christlichen Kirchen – auf diese und ihre sozialen Hilfswerke Caritas und Diakonie konzentriere ich mich im Folgenden – dass sie ein Hort der Intoleranz und Diskriminierung seien und ihre soziale Arbeit möglicherweise ganz gezielt für missionarische Zwecke missbrauchten. „Missionarisch“ nicht selten verstanden als Form der Mitgliederrekrutierung oder, schlimmer noch: der Manipulation.

Mir scheint es dringend notwendig, in dieser regelmäßig und oft reflexhaft geführten Diskussion einige Begriffe und Grundlinien klarzulegen. Begonnen werden soll mit dem Begriff „Toleranz“. Weiterlesen

Advertisements