Das italienische Wunder

saeco-fineDa soll noch einer sagen, dass es keine Wunder gibt. Alles hängt mit allem zusammen. Das ist sicher. Ich habe es erlebt, am eigenen Leib. Samstagnacht.

Wir haben eine Espressomaschine. Seit zwanzig Jahren läuft dieses Teil jeden Tag. Mehrfach. Ohne Pannen. Ohne Muckser. Ohne Wartung. Die Maschine läuft einfach immer.

Bis Samstag nacht. Am Abend noch hat sie treu ihren Espresso gekocht. Am nächsten Morgen war sie kaputt. Aus. Finito.

Die Pumpe – ihr ferrarirotes Herz – hat ihren Geist aufgegeben. In dieser Nacht. Salto mortale. Exitus.

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Der Grund ist so was von klar. Glasklar. Sonnenklar. Der Zusammenhang springt dem ungläubigsten Menschen sofort ins Auge.

Die Espressomaschine ist ein italienisches Modell.  Solange die Serie der Squadra azzurra anhielt – in EM und WM Spielen gegen Deutschland immer zu gewinnen – solange tat – als kleine Gegenleistung – die Espressomaschine ihren Dienst.

Samstagnacht ist die Fußballserie gerissen. Italien hat verloren. Und die Espressomaschine wurde kaputt. Aus. Finito.

Selber schuld!

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Refounding (4): Bar Timäus

Silver-Stars-mittelIn dieser Serie werden bibische Geschichten ja relativ locker aneinandergereiht. Ausgewählt wird, was in irgendeiner Weise einen Impuls für die soziale Arbeit verspricht. Beispielsweise, auszugsweise, nicht ausschließlich oder vollständig.

Lassen Sie uns mal bei den Wundergeschichten bleiben. Diejenige, die heute vorgestellt wird, gehört so ein wenig zu den Klassikern in der theologischen Fortbildung von Seelsorger(inne)n oder Berater(inn)en. In gewisser Weise findet man darin auch das gesamte „Programm“ der Caritas wieder, dieses „Not sehen und handeln“ mit seinen Dimensionen: konkrete Hilfeleistung, Solidaritätsstiftung und Anwaltschaft. Und natürlich, wie bei jeder guten sozialen Arbeit, das „Empowerment“, die Hilfe zur Selbsthilfe.

Es geht diesmal um einen Menschen, der blind ist. Auch „Blindheit“ meint als Existenzbild mehr als ein Augenleiden. Man kann in vielerlei Weise blind sein: so, dass einem ein bestimmter Blick, eine bestimmte Perspektive fehlt. Und es gibt auch eine Menge Ursachen, weswegen jemand „blind“ wird. Nicht nur die Liebe macht blind. Auch die Not oder der Hass oder der Schmerz oder die Angst. Oder auch das soziale Umfeld, das bestimmte Wahrnehmungen nicht fördert oder möglicherweise auch nicht duldet. Das gibt es auch, dass man etwas nicht sehen will oder nicht sehen darf.

Darum geht es in der Geschichte, um Sehen und Gesehenwerden. In ihrem Mittelpunkt steht ein Mensch, ein „blinder Bettler“. Er wird „Bartimäus“ genannt. Genannt wird er so. Sein Name ist das nicht. Dazu muss man wissen: „Bartimäus“ (eigentlich muss man es auseinander schreiben: Bar Timäus) ist hebräisch und heißt „Sohn des Timäus“. Das heißt: der Mann wird – nur – „Sohn des Timäus“ genannt. Einen eigenen Namen hat er nicht, für sein soziales Umfeld jedenfalls nicht. Er ist, bleibt der „Bub von…“. Um diesen Menschen geht es also. Einen Menschen, der selbst nicht sieht, und der – als eigenständige Person – auch nicht gesehen wird.

Und jetzt beobachten Sie mal den Prozess, der beginnt, als Jesus vorbeikommt. Schauen Sie genau hin, achten Sie auch auf die Details: Was macht Bartimäus, was sein soziales Umfeld, was Jesus? Was wieder Bartimäus und die anderen? Und was kommt dadurch in Gang?

Als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler namens Bartimäus. „Bartimäus“ bedeutet „Sohn des Timäus“. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Refounding (3): Steh‘ auf, nimm deine Bahre und geh!

Wir machen noch ein bisschen weiter mit unserer kleinen Serie. Lernen von Jesus für uns selbst und unsere caritative Arbeit. Eine Rede haben wir schon angeschaut, dann eine Geschichte, die Geschichte einer Begegnung. Heute soll uns ein Wunder inspirieren.

Wunderberichte sind eine eigene Art von Text. Es geht darin nicht so sehr um irgendwelche überirdischen Spektakel. Es geht mehr um innere Vorgänge. Darum, wie es gelingen kann, innere Sperren zu überwinden und der menschlichen Sehnsucht nach Leben Raum zu schaffen und Bahn zu brechen.

In der Wundergeschichte, die ich Ihnen anbieten möchte, geht es um Lähmung. Lähmung – als Existenzbild – meint mehr als eine Erkrankung der Nerven oder des Muskelapparats. Das Bild steht für all das, was einen Menschen daran hindert, in Bewegung zu kommen. Die Sehnsucht nach Aktivität, nach tätigem Leben ist da – aber irgendetwas hemmt den Menschen. Irgendetwas hält ihn im Bann und verhindert, dass die Kräfte, die in ihm vorhanden sind, zur Entfaltung und zur Wirkung kommen. In diesem Fall sind die lähmenden Muster auch schon sehr lange eingefahren. Bis Jesus kommt.

Mehr soll nicht gesagt werden. Schauen Sie sich die Geschichte einfach mal genau an. Schauen Sie, wie Jesus, wie es in der sozialen Arbeit heißt, „interveniert“. Wie die erste Reaktion ist und wie es sich weiter entwickelt. Möglicherweise entdecken Sie bestimmte Muster aus Ihrer Arbeit wieder. Und es könnte sein, vielleicht, dass Sie selbst als Berater(in), Begleiter(in) oder Pflegende sogar selbst schon an einem solchen Wunder mitgewirkt haben.

In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. Ein Engel des Herrn aber stieg zu bestimmter Zeit in den Teich hinab und brachte das Wasser zum Aufwallen. Wer dann als erster hineinstieg, wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.  Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging.